Drei Generationen im Ton.
Die Arbeit soll alt wirken, aber nicht altmodisch. Still, präzise und aus rauem Material gemacht — Ton, Feuer, Hand und Wiederholung.
Keramik ist seit drei Generationen in der Familie — von ihren Werkstätten in Dunte, Lettland, bis zu einer keramischen Praxis in Island. Was von Hand zu Hand weitergegeben wird, ist keine Technik; es ist eine Art aufmerksam zu sein. Diese Seite ist das Verzeichnis dieser Linie: Großvater, Vater, Sohn — und der Maßstab, an dem die Arbeit gemessen wird.

Archiv der Kristallglasuren.
Arnis Preiss, Matiass’ Großvater, ist ein lettischer Keramiker, der in Dunte in der Region Limbaži arbeitete und sein Arbeitsleben einer der anspruchsvollsten Disziplinen des Fachs widmete: Kristallglasuren — Oberflächen, auf denen mineralische Kristalle im Ofen selbst wachsen, die Temperatur stundenlang an genauen Punkten gehalten, damit Zink und Silizium zu Blüten aus Glas aufgehen.
Eine Kristalloberfläche lässt sich nicht bemalen und nicht korrigieren. Sie wächst im Feuer, oder sie wächst nicht; die meisten Versuche scheitern, und die geglückten lassen sich nie wiederholen. Matiass erinnert sich an die gedrehten Vasen und feinen Teekannen seines Großvaters — und mehr noch als an die Objekte an die Geduld, für die sie standen.
Dieser Abschnitt ist ein Archiv von Oberfläche, Mineral, Hitze und Geduld.

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Lettische Keramik, Tassen und Henkel.
Tenis Preiss, Matiass’ Vater, machte lettische Keramik — wie Arnis in Dunte in der Region Limbaži — und war eine Schlüsselfigur der lettischen Keramikszene der frühen 2000er. Wo Arnis dem mineralischen Feuer nachging, ging Tenis der Disziplin des Gebrauchs nach: Tassen, Teekannen und Gefäße für die Hand, gedreht mit einer Präzision, an der Matiass sich bis heute misst.
Von ihm stammt der Arbeitsmaßstab der Familie — dass ein Henkel sich nicht herbeidekorieren lässt. Er muss aus demselben Ton gezogen sein, zur Form gehören und dann im Gebrauch verschwinden. Es ist eine stille Prüfung, und sie ist unerbittlich; die ganze Ausbildung eines Machers zeigt sich darin.
„Eine Tasse kann einfach aussehen, aber der Henkel verrät alles.“
Er muss zur Form gehören und im Gebrauch verschwinden.

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Sommer rund um den Ton.
Matiass wurde von beiden direkt unterrichtet — nicht in Stunden, sondern in Nähe. Sommer in der Werkstatt des Großvaters hießen zusehen, versuchen, scheitern und wieder hinsehen lernen. Niemand reichte ein Rezeptbuch weiter; weitergegeben wurde die Gewohnheit, einen kleinen Gegenstand vollkommen ernst zu nehmen.
Mit drei Jahren machte er eine kleine Schale mit einem kugelartigen Stück in der Mitte. Dieses Stück wurde nicht aufbewahrt. Mit etwa fünf kamen die ersten Stücke, die blieben — handaufgebaute Sparschweine und Schalen, im selben Ofen gebrannt wie die Arbeit der Erwachsenen.

Aktuelle Arbeit in Island.
Mit fünf zog Matiass mit seiner Familie nach Island und lebt und arbeitet dort bis heute. Seine Keramik trägt alles zugleich: lettisches Tongedächtnis, eine lange Nähe zu japanischen Formen — die Teeschale, das Yunomi, die ungezwungene Linie —, isländische Stille und ein modernes Beharren auf Präzision.
Die Arbeiten sind auf der Scheibe gedrehtes Steinzeug in Kristall- und Krakelee-Glasuren, in kurzen Serien gemacht und Stück für Stück fertiggestellt. Jedes fertige Stück ist eine Auflage von eins: am Fuß signiert, nummeriert und ins Werkverzeichnis der Werkstatt eingetragen — ein dauerhafter, öffentlicher Nachweis darüber, was wann gemacht wurde und dass es genau eines gibt.




Warum jedes Stück ein Unikat ist.
Eine Kristallglasur ist keine Verzierung; sie ist ein Ereignis. Die Glasur wird mit Zink und Silizium beladen, bis an den Rand des Schmelzens geführt und dann — mitunter stundenlang — in dem schmalen Temperaturbereich gehalten, in dem Kristalle ansetzen und über die Oberfläche wachsen. Der Macher wählt die Chemie und die Kurve der Hitze; der Ofen entscheidet, wo sich jede Blüte öffnet. Keine zwei Brände stimmen überein, und deshalb können es zwei Stücke auch nicht.
Eine Krakelee-Glasur arbeitet an der entgegengesetzten Grenze derselben Physik. Glasur und Ton werden so gewählt, dass sie unterschiedlich stark schrumpfen; beim Abkühlen bricht die Oberfläche in ein feines Netz von Linien — die Karte genau dieser Abkühlung, an genau diesem Tag, die sich nie wieder zeichnen lässt.
Das ist hier mit „Auflage von eins“ gemeint. Es ist kein Marketingsatz; es ist eine physikalische Tatsache des Verfahrens. Drei Generationen der Familie haben innerhalb dieser Tatsache gearbeitet — Arnis im Kristall, Tenis in der gedrehten Form, Matiass in beidem — und der Maßstab, den jeder weitergab, ist derselbe: Wenn das Feuer dir etwas Unwiederholbares schenkt, sollte die Form darunter es verdienen.
Die Stücke, die diesem Maßstab standhalten, gehen in die aktuelle Kollektion; die verkauften bleiben im Archiv sichtbar. Wie ein Stück entsteht, von Anfang bis Ende, steht schlicht im Journal.
Herkunft ist keine Nostalgie; sie ist ein Maßstab. Eines dieser Stücke zu besitzen heißt, den Punkt zu halten, an dem die Aufmerksamkeit dreier Generationen zusammentrifft — im Werkverzeichnis eingetragen, am Fuß signiert und genau einmal gemacht.
— Matiass Preiss