Eine Keramikschale abdrehen: warum der Fuß zählt

Matiass Preiss ·

Wer eine Schale betrachtet, schaut auf das Innere und auf die Glasur. Keramiker drehen sie um. Der Fuß — der abgedrehte Tonring, auf dem das Stück steht — ist die Stelle, an der man ablesen kann, wie jemand arbeitet. Es ist der Teil, den niemand bemerken soll, und genau deshalb zählt er.

Abgedreht wird im lederharten Zustand: Der Ton ist fest genug, um die Form zu halten, und schneidet noch sauber, wie harter Käse. Die Schale wird kopfüber auf der Scheibe zentriert, mit weichen Tonbatzen fixiert, und Metallwerkzeuge nehmen ab, was beim Drehen im Boden stehen geblieben ist.

Was das Abdrehen wirklich tut

Eine Schale kommt mit einem dicken, schweren Boden von der Scheibe — mit Absicht. Aus dieser Reserve wird der Fuß geschnitten. Das Abdrehen erledigt drei Dinge auf einmal: Es bringt das Gewicht des Stücks auf das Maß, das die Form braucht, es führt die Rundung der Unterseite so weiter, dass das äußere Profil bis auf den Tisch durchläuft, und es schneidet den Fußring selbst.

Das Gewicht ist das Erste, was Sie beim Aufnehmen einer Schale spüren, noch bevor Sie bewusst irgendetwas beurteilt haben. Eine nicht oder schlecht abgedrehte Schale wirkt bodenlastig, als ende die Form an der Glasurkante und der Rest sei nur Material. Eine sauber abgedrehte Schale fühlt sich an wie ein einziger durchgehender Gedanke.

Der Fußring

Der Fußring hebt die Schale ein wenig vom Tisch ab. Diese kleine Hebung ist praktisch — sie lässt die glasierte Form stabil stehen und verhindert Kippeln —, aber sie verändert auch den Charakter des Gegenstands. Eine Schale, die flach auf ihrem Boden aufliegt, wirkt hingestellt. Eine Schale auf einem Fußring wirkt, als zeige sie sich.

Innerhalb des Fußrings bleibt der Ton blank, denn Glasur würde das Stück mit der Ofenplatte verschmelzen. Dieser blanke Kreis ist die einzige Stelle, an der Sie die tatsächliche Tonmasse eines fertigen Stücks berühren können: ihre Farbe, ihre Textur, die Körnung des Steinzeugs. Auf meinen Stücken bleibt dort meist die Spirale des Abdrehens sichtbar. Sie ist die Aufzeichnung des Werkzeugs, das über den Ton gegangen ist, und ich sehe keinen Grund, sie wegzuschleifen.

Einen Fuß lesen

Ein klarer, sicherer Fuß mit sauberen Werkzeugspuren sagt: Hier wurde entschlossen abgedreht. Ein überarbeiteter, verkünstelter Fuß sagt: Hier wurde gezögert. Ein maschinenglatter, vollkommen gleichmäßiger Boden sagt meist: Fabrik. Nichts daran ist mystisch — Abdrehen lässt sich schlicht nicht vortäuschen und später nicht korrigieren. Ist der Ring einmal geschnitten, ist er geschnitten.

Deshalb lohnt die Unterseite eines Stücks Ihre Aufmerksamkeit, wenn Sie handgemachte Arbeit kaufen. Und deshalb wird jedes Stück der Kollektion einzeln fotografiert und beschrieben — der Fuß gehört zum Stück, nicht zur Verpackung. Wie der Rest der Entstehung verläuft, steht in vom Ton zum Becher.